Nvidia-Pakt und EU Inc: Kauft Europa Souveränität ein, statt sie zu bauen?

Startup Insider – Investments & Exits · 21. Oktober 2026

Quelle: Startup Insider – Originalepisode

Zwei Themen, die beide dafür stehen, dass Europa noch nicht genau weiß, wo es hinwill. Erstens: Die Bundesregierung hat mit Nvidia eine Absichtserklärung zu Industrie-KI mit Schwerpunkt Mittelstand unterzeichnet, Jensen Huang und Friedrich Merz teilen sich die Bühne. Björn Rieckhoff ordnet die Größenordnung ein – hunderte Millionen Euro Public Money gegen über 700 Milliarden Dollar CapEx der Hyperscaler – und zeigt, wie Nvidia sich an jeder Stelle der Wertschöpfung festsetzt, bis hin zur Beteiligung an den eigenen Kunden. Jan Thomas fragt dagegen, wo in 20 Jahren überhaupt noch Wertschöpfung in Deutschland stattfindet, und ob wir eigene Infrastruktur bauen oder uns mit der Abhängigkeit arrangieren. Zweitens: EU Inc, die einheitliche Rechtsform für Start-ups in allen 27 Mitgliedstaaten, hakt an der Umsetzung – 1.418 Änderungsanträge, das zentrale Register gestrichen, der Zeitplan rückt von 2027 auf 2028. Zum Einstieg ein kurzes Update zur Public Beta von Nephilia, am Ende die Frage, warum Europa wieder lernen muss, hitzig zu debattieren.

Kernthemen dieser Episode

  • Nephilia nach dem Start: Seit Ende September in der Public Beta, die ersten Gründer arbeiten damit an echten Runden. Der Fokus liegt auf Tiefe statt Anzahl: Personen bei den Fonds mit Karrierestationen und Branchenerfahrung, Portfolio-Companies – damit man am konkreten Deal sieht, wie viel Substanz hinter den Claims auf der VC-Website steckt.
  • Der Bund kauft Souveränität beim Quasi-Monopolisten: Die Absichtserklärung zu Industrie-KI setzt auf die große Stärke Deutschlands, den Mittelstand – und auf dessen Anspruch, souveräne Modelle zu nutzen, damit Fachwissen nicht abfließt. Offizielle Summen gibt es nicht; im Gespräch sind hunderte Millionen Euro für Compute und Modelltraining.
  • Eine andere Dimension: Hunderte Millionen Public Money gegen über 700 Milliarden Dollar kombinierten CapEx der Hyperscaler 2026. Björn findet es richtig, dass Merz sich engagiert – es ist ihm bloß zu wenig.
  • Ein geschlossener Kreislauf: Nvidia hat sich an jede Stelle der Wertschöpfung gesetzt. Agile Robots war Early Adopter der Telekom-Cloud mit 10.000 Blackwell-GPUs und bekommt jetzt eine Minderheitsbeteiligung von Nvidia – damit ist Nvidia an den eigenen Kunden beteiligt.
  • EU Inc und das Zerdenken: Gründung digital in 48 Stunden, für maximal 100 Euro, Anteile ohne Notar – das war der Vorschlag der Kommission. Im Rat: kein zentrales Register mehr, Mitarbeiteroptionen nur unter 1.000 Mitarbeitern und 450 Millionen Euro Umsatz, keine freie Sitzwahl. Österreich, Bulgarien und die Slowakei stellen die Rechtsgrundlage infrage, Estland sträubt sich bei den Steuerregeln.
  • Gemeinsam stärker, ganz klischeehaft: Ohne dass die Mitgliedstaaten der Gesamtheit mehr Macht geben, bleibt es beim faulen Kompromiss. Und eine Bitte zum Schluss: wieder öffentlich und auch mal hitzig debattieren.

Transkript

Das folgende Transkript wurde für die Lesbarkeit bearbeitet. Inhalt und Aussagen wurden nicht verändert.

Jan Thomas: Björn, hi, freut mich.

Björn Rieckhoff: Hallo Jan, freut mich ebenso.

Jan Thomas: Ich habe dich gerade als Gründer von Nephilia angekündigt. Wie geht es Nephilia?

Björn Rieckhoff: Sehr gut, vielen Dank. Ja, genau – neue Rolle für mich, im Gründersitz zu sitzen. Nephilia geht es ganz gut. Wir haben im Prinzip mit der letzten Podcastaufnahme bei dir die Beta gestartet, und die ist sehr gut angelaufen. Seit Ende September sind wir in der Public Beta, die ersten Gründer arbeiten damit an echten Runden. Mir gefällt sehr, sehr gut, wie sie es nutzen – gerade auch deutsche Gründer. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen viel daran gearbeitet, das Produkt robuster zu machen und die Datenbank punktuell noch mal in der Tiefe auszubauen. Mit der Abdeckung bin ich mittlerweile echt schon sehr zufrieden. Es sind ein paar Dinge dazugekommen. Gerade in Zeiten von AI ist die Anzahl der Investoren, die man mappt, nicht so aussagekräftig wie die Tiefe. Deswegen steckt da mittlerweile viel in verschiedenen Layern, die den Gründern Mehrwert geben können: Gemappt sind nicht nur die Investoren, sondern auch die Personen bei diesen Fonds, inklusive ihrer Karrierestationen und Erfahrungen in bestimmten Branchen, und die Portfolio-Companies der Fonds. So hast du nicht nur den Marketing-Fluff auf der Website der VCs, worin sie investieren, sondern siehst am konkreten Deal, wie viel Substanz hinter den einzelnen Claims steckt. Das gefällt mir sehr gut. Und da steckt, mit meinem Blick auf die Investorenlandschaft aus der Vergangenheit, auch eine ganze Reihe guter Learnings drin, mit denen die Gründer gut durchs Fundraising navigieren können.

Jan Thomas: Aber ist das für dich wahrscheinlich noch ein Thema, an dem du relativ viel überarbeitest? Ich kann mir vorstellen: Public Beta, viel Feedback – und für dich ein paar schlaflose Nächte.

Björn Rieckhoff: Ja, schlaflose Nächte – und natürlich ein MacBook, das nie in den Sleep-Modus fällt, damit die Agenten weiter rödeln. Insofern …

Jan Thomas: Hast du noch keine Mac-Mini-Farm?

Björn Rieckhoff: Nee, das nicht. Für den jetzigen Stand wäre das, glaube ich, auch ein bisschen unnötig. Ich mache mir sehr viele konzeptionelle Gedanken und merke, dass das Ganze gerade sehr viel Professionalisierung erfährt. Ich habe auch meine eigene Arbeitsweise noch mal umgestellt – wie ich Kundenfeedback schneller einarbeiten kann, über strukturierte GitHub-Issues, die ich dann abarbeite. Und dadurch, dass die Datenbank so gewachsen ist, habe ich mittlerweile auch sichere Backups und dergleichen etabliert. Viele Sachen, die unter der Haube passieren und die man von außen nicht so richtig wahrnimmt, die mir aber in gewisser Weise dann doch den Schlaf in der Nacht wiedergeben, weil ich keine Sorge haben muss, dass irgendwas komplett in die Wicken geht. Ich versuche, da jetzt schon eine gewisse Substanz zu etablieren. Das macht mir sehr viel Spaß, und ich glaube, der Mehrwert davon landet am Ende auch beim Gründer.

Jan Thomas: Den Link packen wir noch mal in die Shownotes. Ich freue mich wirklich, dass wir es beim letzten Mal so intensiv besprochen haben. Den Link zur letzten Folge packen wir auch noch mal rein – für alle, die da nicht reingehört haben und sagen: Fundraising klingt spannend, das mache ich gerade oder demnächst. Ist wirklich ein super Tool geworden, muss ich sagen. Und ich würde sagen, wir machen in den nächsten Folgen immer wieder mal ein Update.

Björn Rieckhoff: Sehr gerne, ja. Vielen Dank.


Jan Thomas: Klar. Dann lass uns mal reingehen. Wir haben zwei große Themen, die beide auf ihre Art sehr wichtig sind – ich überlege gerade, ob sie für die Startup-Szene gleich wichtig sind. Aber erzähl du mal. Fangen wir mit dem großen Staatsbesuch an.

Björn Rieckhoff: Genau, der große Staatsbesuch – so ist es ja mittlerweile tatsächlich, fast so, als würde ein Präsident empfangen. Der Bund kauft gerade Souveränität beim Quasi-Monopolisten ein: Nvidia ist zu Gast in Deutschland. Mein LinkedIn-Feed heute Morgen – Dienstag, zum Zeitpunkt der Aufnahme – war einfach voll damit, wie Merz und Huang sich die Hände schütteln und mit breitem Grinsen auf der Bühne sitzen. Das ist Thema Nummer eins. Thema Nummer zwei ist EU Inc und die Art und Weise, wie Europa gerade mit einer sehr, sehr guten Initiative umgeht – um es neutral zu formulieren. Da können wir hinterher noch mal schön ins Detail gehen.

Jan Thomas: Genau, wollen wir nicht vorweggreifen. Lass uns bei Jensen Huang und Friedrich Merz bleiben. Ich habe mir den Vortrag angeschaut – oder was heißt Vortrag, Fireside Chat nannten sie es, glaube ich. Was erst mal schön zu sehen war: Jensen Huang ist auf seine Art ja ganz sympathisch. Er ist jetzt ein bisschen zu sehr in Richtung Trump abgebogen, mit dieser Telefonnummer und solchen Geschichten, ist da auf Kuschelkurs – aber vielleicht notwendigerweise. Und er hat erzählt, wie weit die Erfolgsgeschichte von Nvidia eigentlich zurückreicht und wie verbandelt sie mit Deutschland ist. Das war mir gar nicht so klar. ISO ist da gefallen, glaube ich, oder auch Audi. Er meinte zum Beispiel, ohne Audi wären sie gar nicht im Bereich Mobility unterwegs. Das fand ich total spannend.

Björn Rieckhoff: Das ist tatsächlich kein Einzelfall. Wenn du dir einen Musk anschaust: Der erzählt auch immer noch gerne, dass Daimler damals Tesla mit einer Investition von 50 Millionen gerettet hat. Das ist ein sehr dynamisches Spannungsfeld, würde ich sagen, zwischen den Tech-Bossen und Deutschland – eine Art Hassliebe. Jeder weiß, dass Deutschland ein sehr relevanter Wirtschaftsstandort ist, aber öffentlichkeitswirksam wird man nicht müde zu erwähnen, wie weit Deutschland hinterher ist. Natürlich mit den eigenen Ambitionen dahinter: Man möchte diesen schlafenden Champion, wenn du so möchtest, wecken, um in den einzelnen Bereichen relevante Umsätze zu erzielen. Und nicht anders lese ich auch seinen Besuch jetzt auf dem Invest-in-Germany-Summit.

Jan Thomas: Wobei ich mich eher gefreut habe, muss ich sagen. Ich kann es vielleicht noch nicht abschließend einordnen, aber ich habe mich gefreut – vielleicht auch in Ermangelung von Alternativen. Wenn es keine anderen Player gibt, mit denen man so etwas machen kann, dann müssen diese Player eben nach Deutschland oder nach Europa kommen und hier Dinge vorantreiben. Ich hätte mir wahrscheinlich gewünscht, dass vor 20 Jahren auch andere Unternehmen begonnen hätten, sich hierzulande so zu entwickeln wie Nvidia. Aber die gibt es halt nicht.

Björn Rieckhoff: Das ist völlig richtig. Du hast mittlerweile quasi Monopolisten. Klar, in China kommen Player auf, die sich von Anfang an sehr clever angestellt haben: Sie haben die Chips bei Nvidia gekauft, solange es möglich und sinnvoll war, und parallel eigene Kapazitäten aufgebaut. AMD ist global schon eine relevante Company, versteh mich nicht falsch, aber der Marktanteil ist relativ gering. Genauso die Chips, die Meta oder Amazon selbst entwickeln – verschwindend gering im Marktanteil. Deswegen hat Nvidia gerade eine Monopolstellung, und ehrlicherweise nicht nur bei den Chips selbst, sondern – dazu können wir gleich kommen – in der gesamten Wertschöpfungskette. Lass uns vielleicht mal den Bogen spannen, was eigentlich passiert ist. Die Bundesregierung hat mit Nvidia eine Absichtserklärung unterzeichnet – „Declaration of Intent to Physical AI and Industrial AI“, Schwerpunkt Mittelstand. Das ist natürlich die große Stärke von Deutschland: Die Hyperscaler sitzen in den USA, aber hier in Europa und gerade in Deutschland findest du diesen massiven Block an Mittelstand, der mittlerweile sehr stark aufgewacht ist, wenn es um Nutzung und Einsatz von KI geht. Immer, muss man sagen, mit dem Bewusstsein, dass es einen ganz großen Anspruch auf eigenständige, souveräne Modelle gibt, damit das vorhandene Fachwissen nicht abfließt. Die notorische Angst von uns Deutschen, dass unsere Ingenieurskunst irgendwo abgeguckt werden könnte und wird. Und da will man jetzt mit den entsprechenden Investitionen dafür sorgen, dass auch hierzulande Fortschritte gemacht werden. Ich würde das gerne mal für den neutralen Zuhörer in Perspektive setzen. Offiziell gibt es keine Angaben dazu, wie viel Geld von der Bundesregierung in das Vorhaben fließen soll. Man spricht von hunderten Millionen Euro für Compute und Modelltraining, so zumindest Reuters. Das klingt natürlich immer sehr gut. Wir haben in vergangenen Episoden schon mal darüber gesprochen: Der kombinierte CapEx der großen Hyperscaler 2026 wird auf über 700 Milliarden Dollar geschätzt.

Jan Thomas: Das ist einfach eine andere Dimension.

Björn Rieckhoff: Auf der einen Seite Privatwirtschaft, der CapEx der Hyperscaler, und auf der anderen Seite Public Money, hunderte Millionen Euro. Das ist aus meiner Sicht schon ein bisschen ernüchternd. Ich glaube aber auch: Herr Merz hat sich da jetzt in die Riege der Staatschefs eingereiht, die sich mit sehr erfolgreichen Tech-Unternehmern umgeben. Was auch richtig und gut ist, um diese Dynamik loszutreten. Ich will ihm das gar nicht als Kritik auslegen, ich finde es gut, dass er sich da engagiert. Bloß ist mir das alles ein bisschen zu wenig, ganz ehrlich.

Jan Thomas: Ich finde das so schwierig zu sagen. Natürlich erst mal viel zu wenig, da bin ich bei dir. Es ist jetzt nicht der Hallo-wach-Moment.

Björn Rieckhoff: Zeitgleich: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn du ein Mindset ändern willst, geht das nicht von heute auf morgen.

Jan Thomas: Und da meine ich gar nicht nur die Regierung, sondern den gesamten Mittelstand. Jensen Huang wurde ja zum Beispiel gefragt, wie die Fabriken der Zukunft aussehen – wir können den Fireside Chat auch gerne verlinken. Dann fängt er an zu erklären, dass die Fabrik der Zukunft eigentlich ein digitaler Zwilling ist, in dem Menschen arbeiten werden. Das klingt total cool und abgefahren. Aber wenn ich meine Klischeebilder von bestimmten Mittelständlern vor Augen habe, bin ich nicht sicher, ob die verstehen, was er gesagt hat.

Björn Rieckhoff: Da bin ich mir auch unsicher, da gebe ich dir recht. Insofern: Steter Tropfen höhlt den Stein. Und du siehst es ja auch daran, wie er selbst argumentiert – je nachdem, mit welcher Zielgruppe er gerade spricht. Auf der einen Seite tätschelt er den Mittelstand und tritt als guter Partner auf, und ein paar Tage vor dem Invest Summit stellt er sich hin und sagt, Deutschland verpennt hier alles. Klar, weil er wachrütteln möchte. Das ist am Ende des Tages eine Frage der Rhetorik. Aber prinzipiell zieht das alles in dieselbe Richtung: den Markt Deutschland, den Markt Europa nicht nur weiter zu öffnen, sondern tiefer zu durchdringen und die Bereitschaft, die vorhanden ist, zu triggern und zu nutzen. Und da sind wir uns ja alle einig: Das ist nur eine Frage der Zeit, nicht des Ob. Aus seiner Sicht geht es nur darum, das schnellstmöglich hinzukriegen.


Jan Thomas: Total. Aber der andere Punkt, warum ich gerade gezögert habe: Ich kriege für mich überhaupt noch nicht verortet, wo Wertschöpfung in, sagen wir, 20 Jahren passiert. Wie die Arbeitswelt nicht morgen, sondern wirklich in der nächsten Generation aussieht. Ich habe ein bisschen die Sorge: Wir stellen ja jetzt die Weichen dafür, ob wir in 20 Jahren komplett abhängig sind und ob hier überhaupt noch etwas stattfindet. Und ob der menschliche Arbeiter in der Fabrik überhaupt noch eine Rolle spielt – das ist, glaube ich, sowieso die größte Frage. Aber kein Mensch hat gerade eine Idee davon, wie wir in 20 Jahren arbeiten, wie wir Geld verdienen, wovon wir leben und von wem wir abhängig sind. Das wäre für mich eine Diskussion, die eigentlich parallel geführt werden müsste zu der Frage: Worin investieren wir gerade? Müssen wir nicht noch mehr Start-ups bauen, die Wettbewerber zu OpenAI, Anthropic und Nvidia sind? Oder investieren wir in Nvidia und sagen: Alles klar, der Kampf ist eh verloren? Das ist meine Frage. Ich habe auch keine Antwort darauf, aber deswegen bin ich mit meiner Einschätzung ein bisschen zögerlich.

Björn Rieckhoff: Ich glaube, es ist auch richtig, dass man da zögert. Hätte man eine Antwort darauf, hätte man gewisse Probleme wahrscheinlich nicht. Das ist einfach so. Du sagst, man investiert in Nvidia oder mit Nvidia, weil der Kampf sowieso verloren ist – „Kampf“ ist natürlich ein bisschen reißerisch dargestellt. Aber diese große Aufgabe, die wir haben, geopolitisch weiterhin eine sehr relevante Rolle einzunehmen, und dieser Anspruch, den wir ja an uns selbst haben, diese Position zu verteidigen: Ich glaube, es gibt auch eine Version der Realität, in der das durchaus möglich ist, während du weiterhin mit US-Companies, asiatischen Companies und so weiter zusammenarbeitest. Das ist, aus meiner sehr liberalen Sichtweise heraus, wahrscheinlich die notwendige Basis.

Jan Thomas: Sag mal, in welchem Bereich? Das würde mich jetzt interessieren, Björn, weil ich das für mich nicht verortet kriege. Autos bauen wir hier in 20 Jahren nicht mehr. Und auch die Frage, ob das dann überhaupt noch so relevant ist. Wenn ich so einen fliegenden Tesla sehe, denke ich mir auch: wie absurd. Sorry.

Björn Rieckhoff: Okay, das ist auch die Frage, wie relevant der ist. Wie die Mobilität der Zukunft aussieht, wird noch eine Rolle spielen. Ich glaube aber: Wir sind in Deutschland natürlich sehr stolz auf das, was wir erreicht haben. Wenn du dir überlegst, wie wir gewisse Dinge erreicht haben und worin wir immer sehr gut waren, dann ist es, glaube ich, dieses konzeptionelle Denken, dieses thematische Denken, Problemlösungskompetenz und dergleichen. Und ich glaube schon, dass viele dieser – ich nenne es mal ein bisschen konservativ – Tugenden sehr wichtig sind, auch wenn du mit AI-Modellen arbeitest. Und …

Jan Thomas: Aber das ist jetzt noch ein Schulterblick nach hinten, oder? Den du gerade machst.

Björn Rieckhoff: Das stimmt, das stimmt. Aber was ich damit sagen möchte: Du triffst auf eine Basis von Mitarbeitern – in den mittelständischen Unternehmen und auch in den Konzernen –, die sehr wohl in der Lage sind, sehr produktiv mit den entsprechenden Systemen zu arbeiten. Du musst es halt triggern, dass sie lernen, damit umzugehen. Vor ein paar Monaten habe ich auch noch nicht so intensiv damit gearbeitet wie jetzt. Und mittlerweile würde ich, wenn ich das neutral werte – wie ich jetzt am Beispiel von Nephilia, ne?, vorankomme –, schon sagen, dass ich nicht zu den Laggards in diesem Markt gehöre, sondern sehr intensiv darüber nachdenke, wie ich konzeptionell an diese Themen rangehe, um möglichst schnell produktiv zu werden und Mehrwert zu generieren. Und diese Transformation – nehmen wir einfach mich als Beispiel, von mir vor zwei Jahren zu mir jetzt – wirst du über die kommenden Jahre auch beim durchschnittlichen deutschen Ingenieur sehen. Dann hast du eine breite Masse in der Bevölkerung, die sehr sinnvoll mit diesen Modellen umgehen kann. Und wir sprechen nicht über das Consumer-ChatGPT mit „Gib mir fünf Rezeptvorschläge basierend auf den Zutaten in meinem Kühlschrank“, sondern eher über: Wie arbeite ich das konkrete Ingenieursproblem auf, das ich habe? Wenn du diesen Unlock hast … Deswegen sitzt ja auch ein Jensen in Berlin. Der wäre nicht da, wenn es keine Rolle spielen würde. Und deswegen sehen wir, glaube ich, auch immer diese Kritik, von einem Musk, von einem Trump und dergleichen: Im Prinzip sind doch alle daran interessiert, dass es Deutschland sehr gut geht und dass wir weiterhin dieser starke Partner sein können. Sonst würden wir doch schon lange gar keine Rolle mehr spielen.


Jan Thomas: Na, die brauchen halt Wettbewerb. Für die ist wichtig, dass ein Land noch die Hoffnung hat, mitzuspielen, und dann die ganze Zeit investiert. Das ist die Möhre, die sie dir vorhalten. Und das ist ja auch gut. Noch mal: Das klingt jetzt so, als wäre ich gegen seinen Besuch und gegen die Investments. Ich finde das ja toll. Ich frage mich nur, was wir mit so einem Investment machen und was dann für eine nächste Generation an Unternehmen oder an Infrastruktur hier entsteht. Darum geht es mir eigentlich. Wenn Jensen Huang in einem Jahr oder in drei Jahren wiederkommt: Investieren wir dann in das gleiche Unternehmen, nur 20-mal so viel? Oder haben wir das Geld dann parat für eine andere Art von Infrastruktur hier – eine eigene Infrastruktur? Das ist eher mein Ding. Sonst mache ich mir nach vorne raus ein bisschen Sorgen. Nephilia, gut und schön, Björn – ich will dir nicht zu nahe treten –, aber das wird Deutschland nicht retten. Wir müssen gucken, was aus den ganzen Ingenieuren wird. Ich könnte mir vorstellen, dass sämtliche Wertschöpfung in die großen Modelle und in die Nvidias dieser Welt verlagert wird, vor allem auch die Margen, und dass hier nicht viel bleibt. Das ist ein bisschen meine Sorge.

Björn Rieckhoff: Du hast diese Abhängigkeit. Deswegen können wir eigentlich nur weiterhin an einem freien, marktwirtschaftlichen Vorgehen interessiert sein. Wenn das in Zukunft autoritärer geprägt wird, stehen wir tatsächlich ganz hinten in der Nahrungskette. Das muss uns auch klar sein. Deswegen kann unser Weg nach vorne nur sein, so kollaborativ wie möglich mit den einzelnen Akteuren zu agieren, privatwirtschaftlich wie politisch. Ich hatte es eingangs angeteasert: wenn man sich überlegt, in welchen Bereichen Nvidia mittlerweile seine de facto Monopolstellung behauptet. Dieser Besuch in Berlin ist auf der einen Seite natürlich schön für den Kanzler, der sich da hinsetzt und gute Publicity hat. Aber für Nvidia ist es vor allen Dingen weiterhin ein Vertriebsthema – und der Verkauf der Chips steht da bloß an erster Stelle. Gerade in Europa gibt es diesen ganz großen Zug hin zu Sovereign AI, eigenständig da sein. Wenn du guckst, wo sich Nvidia in den letzten Monaten positioniert hat: Plattform- und Open-Source-Modelle werden über Hugging Face verteilt, das ist seit September im Besitz von Nvidia. Agile Robots war Early Adopter der Telekom-Cloud, die mit 10.000 Nvidia-Blackwell-GPUs läuft. Und jetzt bekommt Agile Robots wiederum eine Minderheitsbeteiligung von Nvidia. Damit ist Nvidia sozusagen an den eigenen Kunden beteiligt. Das ist mittlerweile einfach ein schön geschlossener Kreislauf. Die haben sich an jede Stelle der Wertschöpfung reingepresst und machen das sehr, sehr smart. Die Vorstellung, dass du da auf einmal ein europäisches Pendant kaufen kannst – ich will sie nicht als absurd darstellen, weil wir hierzulande sehr gute Ansätze haben. Aber das ist auch eine Frage von Speed of Execution. Und da haben andere einfach einen derartigen Vorsprung, der schwer einzuholen ist, wenn nicht uneinholbar.

Jan Thomas: Zeitgleich hatte ich hier den CTO von Isar Aerospace zu Gast. Der hat auch gesagt: Natürlich hat SpaceX einen riesengroßen Vorsprung, aber wir machen das trotzdem, weil wir daran glauben, dass wir hierzulande eine Alternative brauchen, für die Souveränität. Wir werden trotzdem ein Modell entwickeln, das koexistieren kann. Vielleicht wird es kleiner sein, vielleicht dauert es noch ein paar Jahre länger – ihm war vollkommen bewusst, dass sie zehn Jahre hinterherhängen. Aber morgens aufzustehen und zu sagen, wir wollen trotzdem etwas Eigenes haben, ist mir lieber, als zu sagen: Dann lass uns doch einfach mit SpaceX Verträge machen. Weil dann siehst du ja, wie ausgeliefert du bist. Wir müssen jetzt nicht alle Beispiele durchgehen, aber davon gibt es ja genügend.

Björn Rieckhoff: Ich bin da hundertprozentig bei dir und unterstütze solche Vorhaben absolut. Ich will nur sagen: Die Infrastruktur, auf der Isar Aerospace aufbaut – ich habe es mir jetzt nicht angeguckt –, ist vermutlich auch sehr international geprägt und setzt nicht nur auf Sovereign AI. Weil es, Randnotiz, häufig gar nicht anders geht. Versteh mich nicht falsch: Ich bin da hundertprozentig dafür. Du kennst mich als sehr pro Europa und sehr liberal, was das angeht. Ich bin kein Freund davon zu behaupten, es gebe nur eine Version der Zukunft, die durch die USA und China geprägt ist. Ich bin ein großer Verfechter von Europa und der Ambition, weiterhin ein sehr relevanter Teil dieser Welt zu sein, auch wirtschaftlich. Ich will bloß sagen: Wenn wir das machen wollen, dann müssen wir vielleicht ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen als 100 Millionen, während andere 700 Milliarden investieren.


Jan Thomas: Total, ja. Erst mal – KI-Kanzler Merz: Ich weiß gar nicht, wem von beiden der Besuch mehr gebracht hat. Für Merz ist es, glaube ich, auch wichtig zu zeigen: Ich habe Zukunftsgedanken, ich bin nicht nur im Hier und Jetzt und Gestern. Aber ich habe neulich schon gedacht – ich bin, wie gesagt, ein großer Fan von Verena Pausder, ich finde, sie macht als Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Deutsche Startups einen guten Job und passt genau in die Rolle –, als das ganze Thema mit dem Tankrabatt kam, auch so ein ätzendes Thema, bei manchen Sachen kommt man aus dem Kopfschütteln ja nicht raus: Es gibt Dinge, da könnte auch mal die Startup-Szene aufstehen und sagen, wir lösen das. Und nicht im Sinne von „wir geben den Leuten einen Rabatt auf einen Tankgutschein“, sondern: Guck dich mal um, in jedem Auto sitzt immer nur ein Fahrer, die drei Sitze sind immer leer. Im Durchschnitt kannst du wahrscheinlich sagen: anderthalb Leute pro Auto.

Björn Rieckhoff: Ja.

Jan Thomas: Das ist ein Thema, da könnten einfach mal drei schlaue Köpfe aus der Startup-Szene von mir aus drei Millionen vom Bund kriegen, sich hinsetzen und innerhalb von, ich weiß nicht, vier Wochen eine Lösung bauen, eine App. Und dann kannst du dir das ganze Thema Tankrabatt erst mal sparen. So eine Denke mal reinzubekommen: Hey, wir Start-ups sind eigentlich die Zukunft, und wir zeigen das an einem plakativen Beispiel. Und dann versteht bitte auch: Baut hier mehr eigene Unternehmen und eigene Infrastruktur auf, öffnet die Pensionskassen und investiert viel mehr Geld, was weiß ich. Es gibt seit Jahren ganz viele Mahner, die sagen, da ist zu wenig Geld drin. Ja, eigentlich nicht. Es wird halt nur nicht kapiert, glaube ich.

Björn Rieckhoff: Ja, und ich bin mir ein bisschen unsicher, wo wir jetzt die Grenze ziehen.

Jan Thomas: Ja, ja, ich wollte jetzt auch nicht … Ich habe mich so heißgeredet.

Björn Rieckhoff: Nein, es ist ja auch richtig, dass du es äußerst. Was wir, glaube ich, gerade brauchen – und deswegen schätze ich die Gespräche mit dir auch so –, ist so ein Aufrütteln. Dazu gehört Emotionalität, dazu gehören Leute, die aufstehen und deutlich ihre Meinung sagen, auch öffentlich. Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren ein bisschen verlernt zu debattieren. Deswegen finde ich es sehr gut, dass du das auch mal hitzig vorbringst. Wir müssen bloß aufpassen: Wenn wir jetzt über Pensionskassen sprechen, verlieren wir ein bisschen den Faden.

Jan Thomas: Ja, hast du recht. Dann lass uns, apropos Kopfschütteln, mal zum zweiten Thema rübergehen.

Björn Rieckhoff: Genau, gute Überleitung.

Jan Thomas: Weil das ja auch so eine Sache ist, bei der du denkst: Es könnte doch einfach sein.


Björn Rieckhoff: Es könnte so einfach sein. Ich fand es sehr schön, als EU Inc Anfang des Jahres – eigentlich schon seit längerer Zeit, aber dann endgültig – den Versuch unternommen hat, Europa ein eigenes Delaware zu geben, wenn du das so paraphrasieren möchtest. Die Idee: eine einheitliche Rechtsform für Start-ups, die in allen 27 EU-Staaten gleich funktioniert und als 28. Regime dazukäme. Konkret hatte die Kommission im März vorgeschlagen – Ursula von der Leyen hat damals sehr viel Beifall dafür geerntet –: Gründung komplett digital in 48 Stunden, für maximal 100 Euro, ohne Mindestkapital, Anteile werden ohne Notar übertragen und dergleichen. Da hätte man schon auf die Idee kommen können, dass ein paar Dinge ein bisschen gegen den deutschen Drang mit Notarkammer, Gesetzgebung und Co. gehen. Tatsächlich ist Deutschland aber, glaube ich, weiterhin ein sehr großer Unterstützer der Idee. Bloß hakt es gerade ein bisschen an der Umsetzung, um es neutral zu formulieren. So sehr, dass EU Inc letzte Woche, glaube ich, geschrieben hat: „Dear Europe, why are you killing it?“ Hintergrund ist, dass man sich gerade in der Umsetzung verliert. Ein zentrales Register, wie es eingangs gedacht war, wurde im ersten Kompromisstext des Europäischen Rats schon gestrichen. Großes Thema sind immer noch die Mitarbeiteroptionen, die sich jetzt nur noch auf Firmen unter 1.000 Mitarbeitern und unter 450 Millionen Euro Umsatz beschränken. Die freie Sitzwahl, wie sie eingangs angedacht war, hast du auch nicht mehr unbedingt. Ich habe mal geguckt: Es sind 1.418 Änderungsanträge eingegangen. Man verliert sich ein wenig in der Umsetzung. Und das ursprüngliche Ziel, dass das 2027 Realität wird, ist eigentlich völlig absurd geworden. Selbst bei einer Einigung Ende 2026 spricht man wahrscheinlich erst von einer Umsetzung im Jahr 2028. Die Mühlen der Bürokratie mahlen leider sehr, sehr langsam. Und sehr gute Vorhaben werden hier gerade leider sehr stark verwässert, was ich enorm schade finde. Denn das würde dazu führen, dass du vielleicht weniger emotionale Parolen schleudern musst und stattdessen ein schönes Regime hättest, bei dem man einfach sagen könnte: Hey, wir haben einen europäischen Wirtschaftsraum – und zwar nicht nur im Sprachgebrauch, sondern tatsächlich in der Realität. Das wäre schön.

Jan Thomas: Das wäre total schön. Und wirklich, noch mal: Es könnte so einfach sein. Und dann fragt man sich hinterher … Wir haben es gerade mit so vielen Europakritikern zu tun, und man möchte denen ja etwas entgegenhalten und sagen: Guck mal, das sind die Vorteile, so funktioniert Europa. Und wenn ich so etwas höre, habe ich das Gefühl, man muss sich eher noch dafür rechtfertigen, warum man pro Europa ist. Das kann doch nicht die Realität sein, Björn. Das ist vorprogrammierter Stillstand.

Björn Rieckhoff: Das ist tatsächlich vorprogrammierter Stillstand. Ich glaube, es ist ein bisschen das Problem, das man nach dem Mittelalter in Deutschland mal Kleinstaaterei genannt hat. Das fällt einem immer wieder auf die Füße. Wenn einzelne Mitgliedstaaten nicht von ihren zum Teil ja auch zu Recht vertretenen Positionen abrücken, kommt man nicht zu einer Lösung, die der Idee entspricht. Sondern man verabschiedet ganz klar einen faulen Kompromiss, der schön gedacht war, aber der Sache gar nicht mehr gerecht wird. Interessant fand ich, wer gerade quer steht und die Rechtsgrundlage des ganzen Instruments infrage stellt: Österreich ist dabei – gut, eine zum Teil relativ konservativ agierende Regierung –, dazu Bulgarien und die Slowakei. Bei den Steuerregeln, habe ich gelesen, hat sich Estland ein bisschen gegen die Implikationen von EU Inc gesträubt. Das fand ich spannend, weil Estland eigentlich das Startup-Musterland ist, wo du innerhalb von null Komma nichts deine Company gründen kannst. Randnotiz: Vielleicht sehen sie dadurch auch einen gewissen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen EU-Mitgliedern schwinden. Ich will damit nur sagen: Du hast immer nationale Interessen, die zum Teil auch gegen das große Vorhaben laufen. Ich würde mir wünschen, dass jeder Einzelne sieht, dass es der Gesamtheit besser geht, wenn man von den einzelnen Positionen ein bisschen Abstand nimmt oder mehr Freiraum lässt, damit gute Vorschläge zustande kommen. Und die Brücke zu Jensen Huang noch mal: Ich weiß nicht, wie er es auf Englisch gesagt hat, aber im Artikel stand, er wirft Europa das Zerdenken vor.

Jan Thomas: Das ist ein bisschen ein Paradebeispiel, weißt du – es ist ja beides am gleichen Tag passiert: der Besuch und diese, sagen wir mal, Mitbestimmungsdiskussion. Zerdenken ist schon ein guter Begriff. Und ich weiß gar nicht, wie man davon wegkommen könnte – in wessen Richtung der Appell überhaupt gehen kann.

Björn Rieckhoff: Das ist für mich tatsächlich ein Thema, bei dem man ein bisschen breiter denken muss. Wir sind nun mal ein Staatenverbund, und wir geben dem EU-Parlament nur ein gewisses Mindestmaß an freier Bestimmung, wenn ich das laienhaft umschreibe. Eigentlich musst du hingehen und sagen: Jeder einzelne Mitgliedstaat steckt sein Ego mal ein bisschen zurück und gibt der Gesamtheit viel, viel mehr Macht, blöd gesagt – in dem Bewusstsein, dass man dadurch besser dasteht. Gerade in einer globalisierten Welt mit Amerika und China, in der du einfach hinten anstehst, wenn du diese Größenordnung nicht hast. In einer einheitlichen EU hättest du diese Größenordnung, um dem Ganzen Paroli zu bieten und aus unserer Sicht wieder ein gewisses Gleichgewicht herzustellen. Das kriegst du nicht hin, wenn du alleine bist, alleine in Deutschland. Ganz zu schweigen von Estland oder der Slowakei. Ich mag Emmanuel Macron für seine Außenpolitik sehr gerne, muss ich sagen, weil er für mich für eine sehr liberale Wirtschaftsidee steht. Und ich finde es immer interessant, wie liberal das gedacht wird, wenn Frankreich und Deutschland sich als harter Kern der EU positionieren. Natürlich verliert sich das dann immer wieder in den Gremien, in denen die einzelnen Staaten ihre individuellen Ambitionen und Ziele verfolgen. Aber wir müssen, glaube ich, einfach mehr in diesem europäischen Grundgedanken agieren, im Bewusstsein, dass wir gemeinsam stärker sind – ganz klischeehaft gesprochen.


Jan Thomas: Können wir eigentlich so stehen lassen, Björn. Wir könnten jetzt wahrscheinlich noch in verschiedenste Richtungen schießen, aber ich finde, das ist ein gutes Schlusswort. Oder haben wir aus deiner Sicht etwas Wichtiges vergessen?

Björn Rieckhoff: Nee. Auch da: Steter Tropfen höhlt den Stein. Lass uns immer wieder solche Episoden einstreuen, die vielleicht weniger Investment- und Exit-getrieben und mehr politisch ambitioniert sind.

Jan Thomas: Ja, aber es darf auch nicht zu langsam tröpfeln, und der Stein darf auch nicht zu hart sein, finde ich.

Björn Rieckhoff: Genau, genau.

Jan Thomas: Weißt du, was ich meine?

Björn Rieckhoff: Und je mehr Aufbruchstimmung wir da lostreten können, desto besser.

Jan Thomas: Ja. Und die darf eben nicht – das ist jetzt dieses EU-Inc-Ding – von Verwaltern zerredet und zerdacht werden.

Björn Rieckhoff: Richtig.

Jan Thomas: Na gut. Björn, hat Spaß gemacht. Ich freue mich nächstes Mal auf ein Update zu Nephilia. Ich wollte das eben auch gar nicht kleinreden, ich finde das großartig, was du da machst. Ich wollte nur sagen: Es wird Deutschland nicht retten. Da müssen wir eher auf die Nvidias dieser Welt oder eben die eigene Lösung hoffen.

Björn Rieckhoff: Ja, und ich habe das überhaupt nicht missverstanden. Ich weiß, dass ich da kein Rocket Science mache.

Jan Thomas: Nee, nee, so meine ich es gar nicht. Ich finde das großartig, wie gesagt. Und es ist ja auch ein bisschen eine Blaupause. Deswegen die Empfehlung, die letzte Folge zwischen uns beiden noch mal anzuhören, weil sie zeigt, was man mittlerweile selbst mit KI machen kann – mit einer guten Idee und den Coding-Skills oder den Tools, die einem zur Verfügung stehen. Schon cool.

Björn Rieckhoff: Ja, voll. Ich würde auch jeden nur motivieren. Das ist genau dieser Progress im – in Anführungszeichen – Kleinen, den wir sehen müssen. In der Summe der Teile wird das dann schon eine relevante Dynamik entfachen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Jan Thomas: Ja. Und eine gewisse Ungeduld kommt dann, weil plötzlich alles schneller geht – da will man noch weniger warten. Aber gut.

Björn Rieckhoff: Das ist richtig, ja.

Jan Thomas: Wir hören jetzt auf, Björn. Hat Spaß gemacht.

Björn Rieckhoff: Mir auch. Vielen Dank.

Jan Thomas: Wichtige Diskussion. Dann bis zum nächsten Mal.

Björn Rieckhoff: Bis dann, ciao.

Jan Thomas: Mach's gut, ciao.


Über Björn Rieckhoff

Björn Rieckhoff ist Gründer von Nephilia und Business Angel mit zehn Jahren Erfahrung im Early-Stage-Venture-Capital. Er half beim Aufbau von Cavalry Ventures als erster Mitarbeiter und wurde später Partner des Fonds. Aus rund 100 begleiteten Transaktionen und Board-Sitzen von der Seed- bis zur Series-B-Phase ist Nephilia entstanden: ein Informationsdienst, der Gründern die Investorenauswahl für ihre Finanzierungsrunde direkt im eigenen KI-Assistenten liefert. Daneben bleibt er Sparringspartner für Unternehmer.

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